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Vortrag anlässlich eines Symposiums der Vereinigung Westfälischer Museen zur Sonderausstellung "Gärten und Höfe der Rubenszeit" im Gustav-Lübcke-Museum Hamm im Jahr 2000.
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Schaubild: Theorie der Gesichte der Gartenarchitektur
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Wurzgarten im Frühling aus der Handschrift des "Roman de la Rose" (15. Jh.), Dieter Hennebo: Gärten des Mittelalters, 1987, S. 131.
Wurzgarten im Frühling aus der Handschrift des "Roman de la Rose" (15. Jh.), Dieter Hennebo: Gärten des Mittelalters, 1987, S. 131.
Garten des Joseph Futtenbach in Ulm (1638), Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst, Band 2, 1926, S. 87.
Garten des Joseph Futtenbach in Ulm (1638), Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst, Band 2, 1926, S. 87.

Großer Garten in Dresden (1719), Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst, Band 2, 1926, S. 263.
Großer Garten in Dresden (1719), Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst, Band 2, 1926, S. 263.
Hinnenburg Schlosspark (um 1746) Regine von Schopf: Barockgärten in Westfalen, 1988, Abbildung HI 4.
Hinnenburg Schlosspark (um 1746) Regine von Schopf: Barockgärten in Westfalen, 1988, Abbildung HI 4.

Die archäologische Untersuchung des Friedrichstaler Barockgartens unterhalb des Krummen Hauses, der ehemaligen Orangerie des Gartens (heute Verwaltung des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold) ergab, dass keine historische Zeichnung dem realen Zustand des Gartens wiedergibt. Entweder handelt es sich um Entwürfe, die nicht oder abweichend umgesetzt wurden. Nebenstehendes Beispiel: Detail aus einer Hans Hinrich Rundt zugeschriebenen Zeichnung (um 1699/1700), Martin Salesch in Beiträge zur Volkskunde und Hausforschung 8, 1999, S. 100.

Häufig wurden aber auch Idealzustände der Gartenanlagen gezeichnet und gemalt, um deren Größe und Bedeutung optisch hervorzuheben. Beispiele oben: Großer Garten in Dresden und Hinnenburg. Berücksichtigt werden müssen immer auch Veränderungen, die bei Gartenanlagen oft zu mehreren sich überschneidenden Bauphase führen können. Für die barocke Gartenanlage in Detmold-Friedrichstal konnten drei Bauphasen archäologisch nachgewiesen werden, die erste, die uns in einem Grundriss überliefert ist, blieb unvollendet.

Für die Sonderausstellung "Glänzend war ihr Adel" im Lippischen Landesmuseum 2003 wurde eine virtuelle Rekonstruktion der barocken Gartenanlage Detmold-Friedrichstal im Zustand um 1710 nach dem archäologischen Befund erstellt. In dieser Bauphase wurde die Blickachse der mittleren Terrasse um 180° gedreht und durch einen Trick (ovales Bassin leicht aus der Mitte verschoben) optisch verlängert. Diese "kleine Spielerei", die ganz der Gedankenwelt der Barockzeit entspricht und in die Ebene der allgemeinen Gartenideen einzuordnen ist, konnte nur durch die archäologische Untersuchung nachgewiesen werden.

Im Vorfeld der archäologischen Untersuchung in Detmold-Friedrichstal wurde eine Oberflächenprospektion durchgeführt. Obwohl der barocke Garten im 19. Jahrhundert im Stil der englischen Landschaftsgärten verändert wurde (Verschleifung der Terrassen, Entfernung der barocken Plastiken, Verfüllung der Bassins, Anpflanzung von Fichten, Anlage natürlich wirkender Teiche, Umbau der Grotte zu einem Mausoleum) und auch dieser wiederum im 20. Jahrhundert verwilderte bzw. umgenutzt wurde (als Grün- und Spielfläche eines Ausflugslokals) konnten ohne Eingriffe in den Erdboden zahlreiche Strukturen der alten Gartenanlagen aufgefunden und ein-gemessen werden. Die Grundstruktur des barocken Gartens und des englischen Landschaftsgartens konnten dabei schon recht gut ermittelt werden. Diese Aufnahme bildete auch den Ausgangspunkt für die Platzierung der Ausgrabungsflächen. Wie sicher später herausstellte, war die Oberflächenprospektion eine exaktere Grundlage, als alle historischen Quellen, die in der Regel zur Anlage der Grabungsflächen herangezogen werden.

Ein eindringliches Plädoyer geht deshalb dahin, die Quellenkritik der historischen Zeugnisse, insbesondere der Bildquellen, intensiver zu betreiben und historische Gartenanlage nicht allein aufgrund der Bildquellen zu bewerten.