Gedichte

Ich habe in meinen alten Sachen gekramt und ein paar Gedichte gefunden. Das älteste stammt von 1977; da war ich 12 Jahre alt. Das jüngste von 1982. Meine Karriere als Dichter war bereits nach 5 Jahren also schon wieder beendet. Obwohl ich es "professionell" angegangen bin und sogar ein Logo für meine Veröffentlichungen entwickelt habe: Ein Selbstportrait beim Schreiben.

 


Im Februar

Der Stieglitz ruft,

der Tag bricht an,

noch ist im Walde ruh.

Der Winter war kalt,

der Winter war lang,

die Sonne steigt im Nu.

 

Es ist soweit:

Der Frühling ist da,

der Schnee macht sich rar.

 

Das Tal wird grün,

die Blume sprießt,

noch ist es etwas kalt.

Der Winter ist fort,

der Frühling beginnt,

die Wiesen blühen bald.

 

Es ist soweit:

Die Kälte vergeht,

der Frühlungsduft weht.

 

Wir gehen hinaus,

hinaus in die Welt,

wir wollen zum Frühling geh'n.

Der Frühling wächst,

die Landschaft gedeiht,

wir suchen den Frühling zu seh'n.

 

Nun ist soweit:

Die Vögel schweben,

es regt sich das Leben.

 

(1982)

Mai

Wenn nach der kalten Jahreszeit

die Welt steht wieder offen

und du dir denkst, nun ist es soweit,

nun kann ich endlich hoffen:

So ist es Mai!

 

Wenn munter aus dem Land im Süden,

derweil ein jeder singt,

die Vögel über'm Haupt dir fliegen

und alle Welt erklingt:

Dann ist es Mai!

 

Wenn duftend lockt der Blumen Pracht,

die lange fort gewesen

und über dir die Sonne lacht,

dann ist die Zeit erlesen:

Denn dann ist Mai!

 

Wenn alle Herrlichkeit beginnt,

der Mensch sich dran erfreut,

Gereimtes der Poet ersinnt,

dann ist es so wie heut:

Denn heut ist Mai!

 

(1982)



Frühjahrszeit

Wenn's wärmer wird, ist es soweit,

dann kommt ins Land die Frühjahrszeit,

dann wir es bunter weit und breit,

zerschmolzen ist das weiße Kleid.

 

Ein zartes Grün hängt an dem Baum

und schöner wird des Waldes Saum.

Das Grün so frisch, man glaubt es kaum,

ein neuer Duft erfüllt den Raum.

 

Die Vögel singen in der Höh'

und schweben leicht, wie eine Fee.

Das Leben regt sich, wie ich seh',

wenn ich hinaus ins Wäldchen geh'.

 

Und blicken wir einmal zurück,

erinnern uns an das Geschick,

dann merken wir im Augenblick:

Der Frühling bracht' uns immer Glück.

 

(1980)

Anfang

Seht, es bildet neues Leben,

wenn ein neues Jahr beginnt,

uns entspringt ein frisches Streben,

wie ein neugebor'nes Kind.

 

Neue Hoffnung, neue Kräfte,

bilden sich im Chlorophyll,

frisch und grün sind Blumensäfte,

nach der Zeit, die ach so still.

 

Doch die Stille ist vergessen,

jeder Vogel ruft es laut.

Farben sich mit Formen messen,

die Natur wird aufgebaut.

 

Wenn sich Düfte reich ergießen,

wenn sich Blüt' an Blüte reiht,

frische Leben munter sprießen

und der Liebe Farbe leiht.

 

(1980)



August

Wenn der Frühlingshauch entschwunden

und der Goldball höher steigt,

ist der Anfang überrunden,

sich das Jahr in Fülle zeigt.

 

 

Und jetzt zeiget sich die Pflanze

in der Art, die uns berührt.

Um das Feld ein Blütenkranze,

das die reichsten Farben führt.

 

Schwere Früchte schwanken leise,

wenn der Wind hinüber gleitet,

senden ihren Duft auf Reise,

wenn das Land sich fruchtbar weitet.

 

Warme Sommerregen fallen

durch die milde, helle Nacht,

rauschen durch die Wolkenhallen

und der Mond hält seine Wacht.

 

(1980)

Hitze

Das Atmen fällt dem Menschen schwer,

wenn die Barometer steigen,

denn die Hitze drückt ihn sehr,

bringt die Luft zum Schweigen.

 

Müde sucht er eine Stelle,

die vom Schatten kühler

und er findet auf die Schnelle

einen Platz der feucht und schwüler.

 

Er versucht den Durst zu stillen,

trank schon viel, wie manches Fest,

und er hat, um Gottes Willen,

nur noch einen kleinen Rest.

 

Taumelnd kriecht er in die Sonne,

fühlt sich wie ein Wüstenscheich

und er springt mit voller Wonne

in den nächsten Karpfenteich.

 

(1981)



Herbst

Die Sommerpracht geht bald zu Ende,

die Winterhälfte bricht heran.

Nun kommt die kühle, nasse Wende,

du fragst, wann's wärmer wird, ja wann?

 

Doch ach, lass ab von solchen Reden.

Der Herbst ist gar nicht, wie du denkst.

Du wirst schon seh'n, es wird schon werden,

wenn er dir schöne Tage schenkt.

 

Denn wenn der Sommer soll versterben,

zeigt er noch einmal seine Pracht.

Bevor das Jahr zerbricht in Scherben,

erkämpft es sich ganz neue Macht.

 

Da fallen Blätter von den Ästen,

mal Gelb, mal Braun, auch einmal Rot,

von allen Farben nur die Besten,

ein Harmonienangebot.

 

Das ist wie die Orchestersuiten,

die bald zum Schlusston übergeh'n.

Da will der Schöpfer Alles bieten,

bevor die Klänge untergeh'n.

 

 

So geh auch du hinaus zum Walde,

such Blätter dir und presse sie,

schau sie dir an, da siehst du balde:

Die Muster gleichen sich doch nie.

 

Ein jedes Blatt, es ist verschieden,

in Farbe, Form und Musterspiel

und alle wirst du plötzlich lieben

und doch gibt es noch viel zu viel.

 

Sieh dir doch an, wie nun der Winde

die Blätter hoch und höher treibt,

und taumelnd fallen sie geschwinde,

bis nur ein Rascheln übrig bleibt.

 

(1980)

Schauriges Wetter

Dieser Sturm will sich nicht legen,

hat das Wasser aufgewühlt,

von den Dächern strömt der Regen,

es ist sichtlich abgekühlt.

 

Draußen seh' ich Menschen stampfen

gegen die Naturgewalt,

ihre Hände sich verkrampfen,

denn sie suchen einen Halt.

 

Mit Regenschirmen, Jacken, Mützen

kämpfen sie ohn' Unterlass.

Sie versuchen sich zu schützen,

aber sie sind trotzdem nass.

 

(1980)

Sie sehen nicht

Ich schaute in den Herbst hinaus,

sah Blättern nach im Sturmgebraus,

das machte mir Pläsier.

Ich möchte diesen Herbst bedichten,

von seiner Schönheit euch berichten,

mit Bleistift auf Papier.

 

Ich würde von den Winden schreiben,

die Blätter fort im Kreise treiben,

oh'n Unterlass.

Ich schriebe über Nebelschwaden

und Menschen, die zum Weine laden,

mit sehr viel Spaß.

 

Doch warum soll ich lange ringen,

den Herbst poetisch einzubringen

in euer Haus?

Ein jeder selbst, der sehen kann,

den zieht der Herbst in seinen Bann.

Geht selber raus!

 

Doch gehen Menschen leider nur

mit blinden Augen zur Natur.

Sie sehen nicht.

So muss ich ihnen herbstlich dichten,

vom bunten Blättersturz berichten,

als ein Gedicht.

 

(1982)



Schnee

Weiße Flocken fallen leise,

jede doch auf eig'ne Weise,

schnell und langsam, dick und dünn,

von dem Himmelsbaldachin.

 

Kinder laufen froh und munter,

kreuz und quer und auch darunter

und versuchen mit Geschrei,

ob das Weiß zu fangen sei.

 

Und sie holen ihre Schlitten,

um damit, als wie beritten,

von dem nahen Berg zu rodeln,

fröhlich kreischen sie und jodeln.

 

Einer prüft auch schnell dabei,

ob der Schnee zu formen sei,

wirft den Ball als guter Schütze

einem and'ren an die Mütze.

 

Dieser formt sich ein Geschoss

und holt aus zum Gegenstoss.

Doch er trifft im wilden Treiben

einen dritten aus dem Reigen.

 

 

So beginnt, ihr hört, wie's kracht,

eine tolle Schneeballschlacht.

 

(1981)