Karl-Friedrich Salesch

Mein Vater starb 2012 im Alter von 87 Jahren in Torre del Mar, Spanien. Er war ein leidenschaftlicher Kunstmaler mit einem untrüglichen Gespür für Farben. Man konnte ihm eine Farbe zeigen und er wusste sofort, wie er sie mischen musste. Er traf immer den richtigen Ton. Dies gilt nicht nur für die Malerei. Mein Vater hatte auch ein Gespür für Menschen und wusste sofort, wie er sie ansprechen musste. Deshalb war er bei Jedem beliebt und konnte Unstimmigkeiten wunderbar lösen. Sein Geheimnis dabei war, die eigenen Fehler einzugestehen und den ersten Schritt zu machen.

Mein Vater hatte gewiss keine einfache Kindheit. Am 27. Januar 1925 unehelich geboren (Er hat nie erfahren, wer sein Vater war), von klein auf mit einer Kinderlähmung beeinträchtigt, musste er sich schon sehr früh selber durchboxen. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Seine Mutter war Schuhmacherin (immerhin die erste Schuhmachermeisterin in Deutschland), seine Großeltern waren bäuerliche Wanderarbeiter in Mecklenburg (sie stammten aus Rastenburg in Ostpreußen) und später Fischer und Tagelöhner mit einem Haus in Glashütte, Alt Schwerin.

Aufgewachsen ist mein Vater in der Hegestraße in Hamburg-Eppendorf. Seine Mutter war von Alt-Schwerin nach Hamburg gekommen, als sie schwanger war. Sie lebte bei ihrem Onkel Karl Schwarz (den sie später nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete) und arbeite in dessen Schuhmacherwerkstatt. Mein Vater besuchte ab 1932 die Grundschule in der Knauerstraße. Als im Eppendorf das Schuhgeschäft Gundlach eröffnet wurde, zog Karl Schwarz mit seiner Familie nach Garstedt. Zuerst nach Achternfeld 1, später in die Ochsenzoller Straße 126, um weiterhin eine Schuhmacherwerkstatt zu betreiben.

1941 beendete mein Vater die Volksschule in Garstedt.  Sein Entlassungszeugnis bemisst seine Leistungen in Zeichnen und Werken mit sehr gut, in Musik mit gut und in Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Naturkunde mit befriedigend sowie in Rechnen mit ausreichend. Nach einer Ausbildung zum technischen Zeichner, einem Studium an der Hansischen Hochschule für bildende Kunst und Privatunterricht bei Erich Wessel verdingte er sich in verschiedenen Jobs unter anderem als Bühnenbildner an den Hamburger Kammerspielen. 1948 trat er in die Lampenschirmfabrik seines Freundes Hans Lüdders ein, für die er bis 1984 als Designer tätig war. (Die Firma wurde im Prinzip aus "Geschäftsbeiträgen" gegründet, die in Höhe von 60 DM pro Mitarbeiter im Zuge der Währungsreform 1948 ausgezahlt wurden).

Ein wesentlicher Schritt war sicherlich die Eheschließung mit Helga Nibbe am 7.7.1962 und der Gründung einer Familie. Damit bekam sein Leben einen Fixpunkt. Die freie Malerei trat dadurch allerdings in den Hintergrund und wurde zu einer Freizeitbeschäftigung. An Ausstellungen hat er deshalb nur selten teilgenommen. Seine künstlerisch kreativste Phase war in den 1950er Jahren.

 

Diese Seite soll einige seiner Bilder vorstellen.

Studium

Vom 9. Juli 1941 bis zum 8. Juli 1943 absolvierte mein Vater eine Lehre zum technischen Zeichner in der Schiffswerft H. C. Stülcken Sohn. Im Anschluss wurde er als technischer Teilzeichner übernommen, schied aber zum 31. März 1944 aus dem Unternehmen aus, um vier Semester lang (also bis März 1946) an der Hamburger Kunstgewerbeschule (Hansische Hochschule für bildende Künste) Malerei und Grafik zu studieren. Den größten Einfluss hatte hier Professor Willi Tietze (1890-1979), der nach einem Berufsverbot durch die Nationalsozialisten ab 1945 wieder an der Kunsthochschule tätig war.

Nach dem Studium war mein Vater noch zwei Jahre Schüler im Atelier des Malers Erich Wessel (1906-1985). Am 6. Dezember 1949 meldete er in Garstedt das Kunstmalen als Gewerbe an.

 

Landschaften

Ich kennen meinen Vater fast nur als Maler schöner Landschaftsbilder in Öl und Aquarell. Das hängt natürlich damit zusammen, dass er im Urlaub immer seine Malsachen dabei hatte. Mein Vater liebte es, mit der Staffelei durch die Landschaft zu wandern und sich dann vor ein schönes Motiv zu setzen und zu malen.

Im Atelier hat er nur selten gemalt. Manchmal hat er seine Landschafts-aquarelle zu Hause in Ölbilder umgesetzt.

Was ich immer sehr bewundert habe waren seine technischen Fertigkeiten in allen Arten des Zeichnens und Malens, aber auch sein Ordnungssinn. Sein Arbeitsplatz sah immer sauber und aufgeräumt aus.

Abstraktes

Selten hat mein Vater Abstraktes gemalt. Ohnehin hat er nur wenig künstlerisch experimentiert. Er war in der Regel ein sehr verlässlicher Abbilder der Landschaft.

Trotzdem gibt es auch einige sehr schöne abstrakte Bilder von ihm, die vornehmlich in den 1960er Jahren entstanden sind. Möglicherweise hat hier ein Einfluss meiner Mutter gewirkt, die die klaren Linien liebte.

Die abstrakten Bilder meines Vaters sind aber immer eine Hommage an die Farbe.

 

Mein Vater war in seiner Malweise stark geprägt von Erich Wessel. Wie dieser hat er versucht, seine Motive stimmungsvoll einzufangen, mal mit einer stärkeren, mal mit einer zurückhaltenden Farbigkeit. Dabei ist er nie "avantgardistisch" vorgegangen, sondern impressionistisch mit wenigen expressionistischen Anklängen.