Erinnerungsstücke

Die Menschen kennen den Preis, aber nicht den Wert (Oscar Wilde)

Im Leben sammelt sich so einiges an, was man nicht weg werfen möchte, da es mit einem Ereignis, einer Idee, einem Wunsch oder einer Person in Verbindung steht. Ein paar dieser Dinge habe ich hier zusammen gestellt. Für die Museumsarbeit lässt sich daran ganz gut zeigen, wie notwendig der Kontext zu einem Objekt ist.

Das wilde Männchen oben hat mir Maria in Torre del Mar um 1983 geschenkt und tatsächlich muss ich immer lächelnd an sie denken, wenn es aus seiner Kiste springt: "Para que me recuerdes ... con una sonrisa. - Dass du immer an mich denkst ... mit einem Lächeln".

Dampf machen

Meine alte Dampfmaschine, die ich um 1975 bekommen haben muss. Ich erinnere mich, dass ich gern mit meinem Freund Carsten damit spielte. Wenn das Wasser im Kessel hochkochte haben wir das Ventil geöffnet. Das Wasser schoss dann als Fontäne heraus. Wir haben das so übermütig betrieben, dass mein Zimmer renoviert werden musste.

Fürchte dich nicht

1981 war Evangelischer Kirchentag in Hamburg unter dem oben zitierten Motto. Ich bin zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen gegangen. Der damals hoch aktuelle "NATO-Doppelbeschluss" spielte dabei eine wesentliche Rolle. An eine Großkundgebung auf der Moorweide kann ich mich noch gut erinnern.

Opa Heide

Mein Großvater konnte viele Gedichte auswendig vortragen. Seine Gedächtnisleistung war auch im hohen Alter ganz enorm. Zu jeder Familienfeier gehörten seine Gedichtvorträge zum Programm. Da war er kaum zu stoppen. Selbst von meiner Großmutter nicht, die ihm unter dem Tisch gegen das Schienbein trat, wenn es zu viel wurde. Er hatte immer kleine Notizbücher bei sich, in denen die Gedichtanfänge standen. Den Rest trug er dann auswendig vor. Opa Heide nannten wir ihn, weil er in Harksheide wohnte.



Ski heil

Während meine Schwester den Berg hinab sauste, durfte ich nur zum Langlauf. Das hat mir aber auch Spaß gemacht. Es ist schön, durch einen verschneiten Wald zu fahren. Der Wintersport reitzt mich allerdings nicht. Es ist so kalt. Der Schnee versperrt die Bewegungsfreiheit und die thermodichte Kleidung tut das Gleiche. Ich mag es mehr gemäßigt.

Eine Besichtigung von Schloss Neuschwanenstein muss ich an dieser Stelle natürlich noch erwähnen. Schon beeindruckend. Ich habe allerdings nichts mitgehen lassen, was ich hier zeigen könnte.

Honda civic

Im März 1983 habe ich meinen Führerschein gemacht und bin zunächst mit dem Auto meiner Mutter gefahren. Bis ich dieses in einem Unfall zerlegte (Das Emblem habe ich aufbewahrt). Ich wollte gerade links abbiegen, als ein Krankenwagen mit Blaulicht von hinten kam. Abbiegen konnte ich nicht, da sich ein anderer Verkehrsteilnehmer quer in die Nebenstrasse gestellt hatte. Also bin ich rechts ran gefahren. Zu spät, wie sich schnell heraus stellte. Ich wurde allerdings nicht belangt, da die Strassenverkehrs-ordnung damals fest schrieb, dass man rechts ran fahren muss. Aufgrund meines Unfalls wurde die Strassenverkehrs-ordnung dann aber geändert.

Nach dem Vulkanausbruch

Wir haben immer tolle Sommerreisen gemacht. 1976 waren wir sechs Wochen auf Island. Dort lebte eine Schulfreundin meiner Eltern und mein Vater war 1952 auch schon mal da. Zwei Wochen waren wir auf einem Bauernhof ziemlich in der Mitte der Insel. Dann haben wir eine Rundtour mit dem Flugzeug gemacht. Besonders beeindruckt hat mich Vestmannaeyjar, da der große Vulkanausbruch erst drei Jahre zurück lag. Freunde meiner Eltern hatten Glück. Der Lavastrom war unmittelbar an ihrem Haus vorbei geflossen.



Meine Mutter

Eine merkwürdige Geschichte muss ich hier erzählen: Meine Mutter starb am 11. August 2006. Viel zu früh aus dem Leben gerissen und doch ganz gefasst, da sie fest im christlichen Glauben stand. Ich hatte ihr ein paar Jahre zuvor einen kleinen Engel aus Holz geschenkt, den sie immer bei sich trug. In der Familie beschlossen wir, ihr diesen Engel mit in den Sarg zu legen.

Nach dem Tod meiner Mutter zog mein Vater nach Spanien zu meiner Schwester. Ich kümmerte mich um das Elternhaus in Norderstedt. Etwa zwei Jahre nach ihrem Tod kaufte ich ein paar Säcke Rindenmulch, um das Rosenbeet damit auszukleiden. Also kniete ich mich hin und verteilte die Holzteilchen auf dem Beet. Plötzlich fühlte ich in meiner Hand einen besonderen Gegenstand. Es war eine kleine Engelsfigur aus Holz.

Es ist ein Zufall und kann doch eigentlich kein Zufall sein. Eine Engelsfigur im Rindenmulch? Warum habe ich sie überhaupt bemerkt? Ich trug Gartenhandschuhe und verteilte das Holz nicht gerade aufmerksam. Dieses Stück bemerkte ich jedoch sofort. Es drängte sich mir geradezu auf.

Für mich ist es ein Zeichen. Ein Zeichen meiner Mutter, dass sie angekommen ist.

 

Diese Engelsfigur begleitet mich nun. Und sie ist sicherlich der beste Beleg, warum wir Erinnerungsstücke haben.



Ein Fall für den Psychiater

Auf Vorschlag meiner Grundschullehrerin schickten mich meine Eltern 1971 zu einem Psychiater. Ich war zu unauffällig, zu still. Doch der Fachmann konnte an mir nichts Außergewöhnliches fest stellen. Ich sollte ein Bild von meiner Familie malen und zeichnete vier kleine Knäule in die Ecke eines Din-A 3 großen Bogens. Er wollte wissen, was das sein soll und war sehr erstaunt, als ich ihm einen Hasen, ein Eichhörnchen, eine Maus und einen Hamster vorstellte. So sah ich meine Familie: Als flauschige Nagetiere.

Unser Kinderarzt Dr. Lehmann-Grube machte dann eine Meditation mit mir, um meine Schüchternheit zu überwinden. "Ich bin ganz ruhig, frisch und zufrieden ..."

Fürstlich

Ein Erinnerungsstück aus meiner Zeit in Sondershausen 2001 bis 2005: Ein Aufsatz des Gitters am Schloss, der bei Restaurierungsarbeiten ersetzt worden war und mir von der Stadt Sondershausen zum Abschied geschenkt wurde.

Die Jahre in Sondershausen waren für mich sehr schöne Jahre, an die ich mich gerne erinnere. Deshalb liegt dieses Erinnerungsstück auch sichtbar auf meinem Bücherregal.

Explosiv

Zwischen 1975 und 1980 habe ich die Silvesterabende mit meinem Freund Carsten verbracht. Das war immer sehr schön. Zum Programm gehörte ein roter Heringssalat um Mitternacht und das Skispringen zum Frühstück  am Neujahrsmorgen. In den Jahren darauf habe ich mit mehreren Freunden gefeiert. Wir zogen herum und warfen mit Böllern um uns. Das hat mir dann aber sehr schnell keine Freude mehr gemacht. Der Lärm und der Gestank haben mich zu einem Feind der Silvesterfeier werden lassen. Ohnehin ein dramaturgisch schlecht konzipiertes Fest: Man wartet bis Zwölf und schaut sich ein gruseliges Fernsehprogramm an, stößt launisch auf neue Jahr an und geht ins Bett.

Nach 1983 habe ich mehrmals in Spanien das Neujahrsfest gefeiert. Das war spaßiger. In den letzten Jahren reise ich mit Freunden in eine abgelegene Gegend. Dort feiern wir ganz ruhig ein paar Tage mit gutem Essen, ausgedehnten Spaziergängen und angenehmen Gesprächen.