Was meine Persönlichkeit anbetrifft ...

Wie ich groß wurde

Geboren wurde ich am 28. März 1965 um 0.45 Uhr im Krankenhaus Heidberg in Hamburg (heute Klinikum Nord). Meine Mutter Helga Salesch geb. Nibbe (*1930 †2006) war Obestudienrätin an der Berufsschule Niendorf und mein Vater Karl-Friedrich Salesch (*1925 †2012) Kunstmaler und Designer. Meine zwei Jahre ältere Schwester Kathrin lebt mit ihrer Familie in Spanien.

Aufgewachsen bin ich in Glashütte, einem Ortsteil der 1970 gegründeten Stadt Norderstedt. Damals gab es noch große Freiflächen mit landwirtschaftlicher Nutzung. Die alten, recht weit auseinander liegenden Bauernhöfe existierten noch. Dazwischen wurden im Laufe der Zeit aber immer mehr Wohn- und Geschäftshäuser gebaut. So verschwanden auch die Moore und Birkenwäldchen, in denen wir gern gespielt haben. Erhalten blieb aber ein alter Knick, der die Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein markiert. Bis 1868 verlief hier sogar die Grenze zwischen Hamburg und Dänemark.

1969

Dieses Porträt von mir hat mein Vater etwa 1975 gemalt (Bleistift und Ölkreide auf Sperrholz).



Von 1971 bis 1975 besuchte ich die Grundschule Harksheide-Süd. An den Unterricht kann ich mich eigentlich nicht mehr erinnern. Was mir dagegen noch immer in guter Erinnerung ist, das ist der Schulweg, den ich mit meiner Freundin Wiebke Behnk jeden Tag mit dem Fahrrad zurück legte. Wiebke ist meine Sandkastenfreundin. Sie wohnte auch in Parallelstraße direkt neben meinen Großeltern. Ein wesentliches Element meiner Kindheit war der enge Kontakt zu meinen Großeltern. Die Eltern meiner Mutter (Rudolf Nibbe und Elsa Nibbe, geborene Schmielau) hatten ihr Haus gleich gegenüber. Unser Grundstück war der alte Schrebergarten der Familie und deshalb standen auch eine ganze Reihe alter Obstbäume darin. Die Mutter meines Vaters (Alma Schwarz, geborene Salesch) wohnte nicht weit weg im Ortsteil Garstedt. Sie kam jeden Nachmittag mit dem Fahrrad zu uns; meistens in einem weinroten Faltenrock aus Wolle. Sie war die Oma, mit der wir alle wunderbar spielen konnten, denn sie war immer gut gelaunt und tollte übermütig mit uns herum. Die Eltern meiner Mutter stammten aus einer alten Hanseatenfamilie, in der es nur zwei Berufe gab: Juristen und Reedereikaufleute. Deshalb ging es bei ihnen sehr viel ruhiger und kultivierter zu. Mit ihnen habe ich vor allem Skat und Schach gespielt.

Einschulung 1970

Konfirmation 1977



Auf dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hamburg machte ich 1985 mein Abitur. Meine schulischen Leistungen waren nur mittelmäßig. Die besten Noten bekam ich in den Fächern Religion, Philosophie, Gemeinschaftskunde und "Darstellendes Spiel". In den Fächern, die ich später studieren sollte, schnitt ich nur durchschnittlich ab. Meine Schwester und ich wohnten zwar in Schleswig-Holstein, wir gingen aber in Hamburg zu Schule, weil meine Mutter dort Lehrerin war und deshalb die Hamburger Schulferien hatte. Mein Vater arbeitete damals in der Lampenschirmfabrik Hans Lüdders als Designer und war ferienmäßig flexibel. Ich fuhr nun jeden Tag zunächst mit dem Fahrrad zum U-Bahnhof Kiwittzmoor (nach der Entwässerung gab es dort weder ein Moor noch Waldkäutze) und dann mit der U-Bahn zur Schule.

Theater AG 1983: In Jean Giraudoux' "Kein Krieg um Troja" als König Priamos (hinten sitzend) mit Hans Werner Meyer als Hektor (Mitte vorn)

Theater AG 1984:

In Peter Weis' "Marat-Sade" als Irrenhausdirektor Coulmier



Fotos 1984 von Daniela Wenk in Torre del Mar


Eine wesentliche Erfahrung war für mich der Zivildienst, den ich von Juli 1985 bis Februar 1987 im Senator-Neumann-Heim in Hamburg absolvierte. Ich glaube, ich gehöre zum einzigen Jahrgang, der 20 Monate Zivildienst machen musste. Der Kalte Krieg, der meine Jugend mitgeprägt hat, spielte hier sicherlich eine gewisse Rolle. Die Arbeit mit körperbehinderten Menschen hat mir in meiner Entwicklung sehr gut getan und mir auch sehr gefallen. Deshalb habe ich auch während meines Studiums im Senator-Neumann-Heim gejobbt.


1985


Eigentlich wollte ich Bühnenbildner werden. Doch da das entsprechende Studium (eine spannende Kombination aus Theaterwissenschaft und Design) nur im Wintersemester begonnen werden konnte, schrieb ich mich kurzerhand an der Hamburger Universität für Vor- und Frühgeschichte ein. Damit wollte ich eigentlich nur meine Eltern ruhig stellen. Aufgrund meines Abiturzeugnisses hatten sie für mich eine Verwaltungslaufbahn in Erwägung gezogen und drängten mich in diese Richtung. Obwohl ich mir Mühe gab vergeigte ich den Einstellungstest bei der Stadt Norderstedt. Nun konnte ich mich ganz auf das Studentenleben konzentrieren.


Mein Studium lief sehr gut; ich habe viele Bücher gelesen und war auch ziemlich oft im Kino. Neben Vor- und Frühgeschichte belegte ich Germanistik als zweites Hauptfach und konzentrierte mich hier auf die ältere deutsche Literatur. Um möglichst viele wissenschaftliche Methoden kennen zu lernen und mein Wissen auszubauen studierte ich Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Geschichte und Pädagogik (Deutsch als Fremdsprache) als Nebenfächer. Mein Studium finanzierte ich durch Jobs: Während des Semesters als Hilfswissenschaftler abwechselnd bei den Germanisten und den Archäologen und in den Semesterferien als Grabungshelfer. Im achten Semester schrieb ich meine Magisterarbeit über den "Archäologischen Roman", um meine beiden Hauptfächer in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammen zu bringen. Sehr dankbar bin ich meinen Professoren, die mein Denken stark geprägt haben: Prof. Helmut Ziegert (*1934 †2013) und Prof. Wolfgang Hübener (*1924 †2015) in der Archäologie sowie Prof. Wolfgang Bachofer (*1928 †2003) in der Germanistik.


Im Sommer 1991 bewarb ich mich um eine von acht ausgeschriebenen Stellen beim Brandenburgischen Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte und wurde ohne Vorstellungsgespräch eingestellt. Der verblüffende Grund dafür: Ich war der einziger Bewerber und konnte mir meine Stelle aussuchen. Ich entschied mich für die Ausgrabungsleitung in Elsterwerda, da sich hier aus den Grabungsergebnissen eine Promotion machen ließ. Bis Ende 1994 legte ich auf einer Fläche von fast 4 ha ein germanisches Einzelgehöft mit Eisenverhüttungsplatz frei. Im März 1995 promovierte ich zum Thema "Besiedlung und Eisenverhüttung im Elbe-Elster-Raum während der Römischen Kaiserzeit". Neben der Archäologie waren die Jahre in Elsterwerda eine großartige Erfahrung für mich, da ich hier die Nachwendejahre vor Ort miterleben konnte. Ein großer Glücksfall für mich war, dass sich mein engster Freund aus Zivildienstjahren (Christian Bahnsen) als Buchhändler in Dresden niedergelassen hatte.


Ausgrabung in Beelen (Kreis Warendorf)

Von April 1995 bis Dezember 2000 arbeitete ich als wissenschaftlicher Volontär bzw. wissenschaftlicher Referent im Westfälischen Museum für Archäologie in Münster. Zuerst im Fachreferat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie und dann in der Schausammlung. Zwei Jahre in der praktischen Bodendenkmalpflege (Begutachtungen, Ausgrabungen, Auswertungen) und drei-ein-halb Jahre in der Ausstellungskonzeption für das LWL-Landesmuseum für Archäologie in Herne. Der Übergang von der Ausgrabungs- zur Ausstellungstätigkeit war fließend, da ich auch nach 1997 noch als Grabungsleiter tätig war; vor allem für das Lippische Landesmuseum Detmold.


Trotzdem war für mich klar, dass sich mein beruflicher Weg in die museale Richtung verschwenkt hatte. Ich entschloss mich deshalb für ein Weiterbildungsstudium im Fach Museumsmanagement an der Fernuniversität Hagen, das ich im März 2004 mit einer Hausarbeit über Landesausstellungen abschließen konnte.

Sylvester 2003 im Harz mit Elke Treude und Roland Pieper


Da meine Stelle als wissenschaftlicher Referent im Westfälischen Museums für Archäologie befristet war, sah ich mich um neue Anstellungen um. Im Januar 2001 packte ich - durchaus wehmütig, denn in Münster habe ich mich sehr wohl gefühlt - meine "sieben Sachen" zusammen und zog nach Sondershausen am südlichen Ausläufer des Harzes. Dort wohnte ich in der Possenallee 22 in einem großen denkmalgeschützten Haus mit verhaltenem Jugendstil. Türen, Fenster, Parkettboden und eine Stuckdecke in 4,20 m Höhe waren noch original erhalten. Von meinem Erker ich hatte einen traumhaften Blick über Sondershausen mit seinem imposanten Schloss. Bis 2005 arbeitete ich als stellvertretender Leiter der zweiten Thüringer Landesausstellung "neu entdeckt - Thüringen, Land der Residenzen". Insgesamt eine sehr glückliche Zeit, in der ich mit vielen interessanten Leuten Freundschaft schloss und auch die herrliche Kultur- und Naturlandschaft am Südharz kennen lernen konnte. Zudem brachen meine Kontakte nach Westfalen nicht ab. Ich organisierte zwei größere Sonderausstellungen für das Lippische Landesmsueum: "Burgen in Lippe - heute schützen wir sie" und "Glänzend war ihr Adel. Der Hamburger Barockmaler Hans Hinrich Rundt am Hof der Grafen zur Lippe". Letztere war anschließend sogar noch im niederländischen Utrecht zu sehen, das zur Zeit des Hans Hinrich Rundt zur Grafschaft Lippe gehörte. Auch die Freie und Hansestadt Hamburg war an dieser Ausstellung beteiligt (mit dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust als Schirmherr), sodass wir eine "Rundt-Reise" zwischen Utrecht, Detmold und Hamburg entwickeln konnten.

2004 konzentrierte ich mich dann aber ganz auf die Landesausstellung. Nach den inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen war ich während der Laufzeit der Ausstellung vor allem mit den Führungen und dem museumspädagogischen Programm beschäftigt. Ich führe ausgesprochen gern. Das habe ich mir mühsam erarbeitet. Denn eigentlich bin ich ein schüchterner Mensch. Doch ich denke, dass die Theater AG meiner Schulzeit viel dazu beigetragen hat, meine Hemmungen zu überwinden. Als Kind habe ich nicht den Mund aufgekriegt; heute macht es mir überhaupt nichts aus, vor vielen Menschen zu sprechen. Ich genieße es sogar. Das muss ein menschlicher Zug von mir sein.

Der Ausstellungsführer wartet am Kassenhäuschen der Landesausstellung auf seine Gruppe. (Das bin allerdings nicht ich sondern Michael Schreiber, was man am Lachen der Kassendame erkennen kann.)


Doch nach vier Jahren musste ich mich erneut nach einer neuen Stelle umsehen. Ich hatte zwar Glück, dass meine befristeten Anstellungen immer mehrere Jahre liefen, aber zu Ende waren sie dann doch irgendwann. Also bewarb ich mich auf zahlreiche ausgeschriebene Posten und war letztendlich selbst überrascht, als ich zum Direktor des Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseums in Wietze bestellt wurde. Mein neuer Wohnort wurde Celle (Hostmannstr. 4); mein Lebensmittelpunkt wurde es nicht. Ich tauchte tief in die Geschichte der deutschen Erdölindustrie ein, die sich als ausgesprochen interessant heraus stellte. In den ersten fünf Jahren konnte ich für das Museum und für den Museumsverbund im Landkreis Celle (dessen Geschäftsführer ich in Personalunion war) eine ganze Menge erreichen. Ein Höhepunkt war sicherlich im Jahr 2009 das 150-jährige Jubiläum der ersten erdölfündigen Bohrung in Deutschland, der Versuchsbohrung in Wietze durch den Geologen Georg Hunäus. Wir konnten am originalen Schauplatz dieser Bohrung eine interessante neue Gestaltung mit Stahlfiguren einweihen und zusammen mit dem Wirtschaftsverband Erdöl-Erdgasindustrie eine Wanderausstellung konzipieren. Danach fühlte ich mich in meinem eigenen Museum jedoch nicht mehr so wohl, wie anfangs, da es sehr eng auf die Technikgeschichte eines sehr speziellen Themas ausgerichtet war. Ich hatte das Gefühl, die wesentlichen Aspekte abgegrast zu haben. Deshalb versuchte ich ein neues Thema in das Museum einzuführen: Die Geologie. Dabei konnte ich eine ganz erstaunliche geologische Sammlung aufbauen, die aber aufgrund des Personalmangels im Museum nicht richtig bearbeitet werden konnte. So führte mich dies letztendlich auch nur in eine Sackgasse. Im Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseum Wietze und im Museumsverbund im Landkreis Celle war ich Einzelkämpfer. Auch dieser Zustand störte mich immer mehr. So entschied ich mich zu einem erneuten Wechsel, bevor ich zu alt dazu wäre. Trotzdem blicke ich durchaus mit Stolz auf meine Zeit als Direktor des Deutschen Erdöl- und Erdgasmuseums zurück. Stolz bin ich darauf, das Museum in der Öffentlichkeit als Fachmuseum etabliert zu haben (siehe arte-Dokumentation und zahlreiche Auftritte in Fernsehspielen, Filmprojekten und TV-Quizsendungen). Stolz bin ich auf die Gründung der internationalen Vereinigung der Erdölmuseen 2006, aus der die Vereinigung der europäischen Erdölmuseen, das IADC International Forum of Energy Centres ans Museums sowie das European Oil- and Gas Archives Network (EOGAN) hervorgegangen sind. Was ich als Direktor nicht mehr erlebt, aber vorbereitet habe, ist die finanzielle Sicherung der dringend notwendigen Konservierung der Objekte auf dem Freigelände. Ich konnte einen Wiertzer Bürger, einen ehemaligen Mitarbeiter der Deutschen Erdöl AG, dazu überreden, seine Erbe dem Museum zu überlassen. Immerhin 250.000 Euro. Was ich dabei nicht bedacht hatte: Es folgten mehrere emotionale Jahr bis zum Tod dieses Mannes.

Stolz bin ich auf die Erfolge im Museumsverbund im Landkreis Celle. Ich konnte die Anzahl der Mitgliedsmuseen von 6 auf 22 erhöhen (also auf allen Museen im Landkreis Celle). Die Projekte des Museumsverbundes, die sich vor allem auf die Kernbereiche der musealen Arbeit konzentrierten, waren beispielgebend für viele andere Projekte in Deutschland. Das Bundesland Bremen hat unser Projekt "Museen gehen zur Schule" eins-zu-eins kopiert. Darüberhinaus gehören die Publikationen des Museumsverbundes mittlerweile zur Standardlektüre im Museumsmanagement. Das ist vor allem der Zusammenarbeit mit Dr. Stephan Kapke, Cord Brune, der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel u. a. zu verdanken.

Dreharbeiten zum Dokumentarfilm "Pioniere des Erdöls" (ARTE/NDR) im Deutschen Erdölmuseum Wietze 2013.


Am 1. Januar 2015 begann ich ganz neu im Osten des Landes Brandenburg als Leiter der Museen und der Besucherinformation im Kloster Neuzelle. Hier ein paar Fotos von der Eröffnung des neuen Museums im Kutschstallgebäude. Das Band hat letztendlich der Ministerpräsident zerschnitten.


So interessante meine Aufgabe im Kloster Neuzelle auch war, es war immer noch nicht das, was ich wollte. Mein Traum war es immer, ein größeres Museum mit vielfältiger Sammlung zu leiten, um interdisziplinär arbeiten zu können. Im Januar 2017 ergab sich für mich diese Chance im Vogtlandmuseum Plauen. Weiter Vorteile: Das Vogtland ist eine sehr schöne Landschaft und Plauen eine spannende Stadt mit tollem kulturellen Angebot und städtischem Flair. Und vor allem: Ein Team mit netten, verständnisvolle Kollegen, die milde lächeln, wenn der Chef mal wieder mit einer neuen Idee ankommt.